Klinger Mausoleum

Klinger Mausoleum nächst dem "Uhufelsen" © Eigene Aufnahme 2007
Klinger Mausoleum nächst dem "Uhufelsen"
© Eigene Aufnahme 2007

Ausschnitt Wanderkarte - Ruine Kollmitz zum Klingermausoleum
Ausschnitt Wanderkarte
Ruine Kollmitz zum Klingermausoleum

Geläute der Glocke im Klingermausoleum.

   

 

Baronin Sybille Klinger
Baronin Sybille
Klinger von Klingerstorff

Die Klingertragödie

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Schloß Raabs an der Thaya dem reichen Textilindustriellen Hugo von Klinger von Klingerstorff, der mit seiner Frau Sybille, eine geborene Gräfin von Spiegelfeldt, hier wohnte.

Baron Klinger lernte die junge Comtesse im Lazarett in Troppau kennen. Er war Leutnant, sie arbeitete als freiwillige Pflegerin. 1916 wurde geheiratet. Sie hatten 3 Kinder.

Im Frühjahr 1925 erkrankte die Baronin. Der Arzt stellte einen Lungenschaden fest. Man riet ihr einen längeren Aufenthalt in einer wärmeren Gegend. Baron Klinger brachte seine Frau nach Meran. Dort lernte sie den jungen, hübschen Fürst Cyrill Orlov kennen (russischer Emigrant und Klavierspieler).

Baron Hugo Klinger, Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5
Baron Hugo
Klinger von Klingerstorff

Trotz des zehnjährigen Altersunterschiedes verliebten sie sich ineinander und waren bald unzertrennlich. In Raabs an der Thaya gestand Sybille ihrem Mann die Liebe zu dem Russen. Baron Klinger war tief betroffen. Nach einer Aussprache mit ihrem Vater in Wien versprach die Baronin ihrem Mann bei ihm zu bleiben.

Sie bekam verzweifelte Briefe von Orlov, er drohte mit Selbstmord. Sie trafen einander in Wien. Er kam heimlich nach Raabs, sie versteckte ihn in der Zinnkammer. Sybille gab ihrem Geliebten den Rat, den Baron zu treffen, ihn zu bitten, sie freizugeben.

Zu diesem Treffen kam es. Am Morgen des 2. Juni 1926 begegneten sie einander auf einer Waldlichtung beim so genannten Baronsitz. Schüsse wurden gewechselt. Ein Bauer fand den verwundeten Baron, der es verwundet bis auf einen Weg schaffte, und brachte ihn auf Schloß Raabs an der Thaya. Der Taxifahrer, der den Russen aus Wien gebracht hatte und auf ihn am Waldrand wartete, fuhr mit dem Verwundeten zur Gendarmerie. Beide Herren wurden ins Krankenhaus Waidhofen eingeliefert.

Als die Baronin im Krankenhaus anrief erfuhr sie, dass es ihrem Mann besser ginge, aber ihr Geliebter schwer verletzt worden war.

Am nächsten Morgen kam die Gendarmerie ins Schloß. Sie forderte sie auf, zum Untersuchungsrichter zu kommen. Sie versprach es, ging ins Nebenzimmer und erschoss sich.

Sybille Klinger wurde zunächst am Friedhof in Raabs/Oberndorf beigesetzt. Als ihr der Baron verziehen hatte baute er seiner Frau ein Mausoleum nahe dem "Uhufelsen" hoch über der Thaya. Dort ruht er heute selbst neben seiner Frau und beider Kinder.
 

Familie Klinger von Klingerstorff
Hugo, geb. 10.12.1882, Neustadt, Nordböhmen, + 17.06.1941, Mörach
Sybille, geb. 6.11.1888, + 3.6.1926 (5.6. beigesetzt)
Maria Magdalena, geb. 27.6.1918, + 27.6.1964 in Tripolis
Hubert, geb. 18.1.1920, + 18.03.1998
Albertine, geb. 7.11.1921, + ?


Cyrill Constantin Orlov, Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5 Das Familienwapen der Orlows, Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 21. Juni 1926, Seite 16

Die Aufbahrung Orlovs in der Leichenhalle des Krankenhauses Waidhofen an der Thaya. Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4

Der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof. Das Ende des Dramas auf Schloss Raabs. Die Beerdigung Cyril von Orlows in Waidhofen an der Thaya. Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4

Cyrill Constantin Orlov
Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5
Das Familienwapen der Orlows
Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 21. Juni 1926, Seite 16
Die Aufbahrung Orlovs in der Leichenhalle
des Krankenhauses Waidhofen an der Thaya.
Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4

Der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof.
Das Ende des Dramas auf Schloss Raabs.
Die Beerdigung Cyril von Orlows in Waidhofen an der Thaya.
Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4

Fürst Cyrill Constantin Orlov starb am 15. Juni gegen halb 2 Uhr nachmittags im Krankenhaus Waidhofen an der Thaya. Er wurde am Friedhof in einem Grab an der rechten Mauer zur Stadt beigesetzt das heute nicht mehr besteht. "Der Abschluss der Tragödie in Raabs".

Quellen: Stadtgemeinde Raabs an der Thaya.
DieZeitschrift: Reise Waldviertel "Drama auf Schloss Raabs" von Marliese Mendel, 16. August 2016
Österreichische Nationalbibliothek:
Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 7. Juni 1926, Seite 1 und Seite 2.
Die Neue Zeitung, vom Donnerstag 17. Juni 1926, Seite 5 "Der Abschluss der Tragödie in Raabs".
Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 21. Juni 1926, Seite 16 "Wappen der Familie Orlov" und "Fürst Cyrill Orlov".
Das Interessante Blatt, vom 10. Juni 1926, Seite 5
Das Interessante Blatt, vom 17. Juni 1926, Seite 5
Das Interessante Blatt, vom 24. Juni 1926, Seite 4
Wiener Bilder, vom 13. Juni 1926, Seite 12

Datum der letzten Bearbeitung / Aktualisierung: 02. Oktober 2016