Klinger Mausoleum

Klinger Mausoleum nächst dem "Uhufelsen" © Eigene Aufnahme 2007
 

Ausschnitt Wanderkarte - Ruine Kollmitz zum Klingermausoleum
 

Klinger Mausoleum nächst dem "Uhufelsen"
© Eigene Aufnahme 2007

Geläute der Glocke im Turm vom Klinger Mausoleum
auf youtube.com

Ausschnitt Wanderkarte
Ruine Kollmitz zum Klingermausoleum

 

Baronin Sybille Klinger, Ausschnitt einer Einladung von Riky Heimpel
Baronin Sybille
Klinger von Klingerstorff
Ausschnitt einer Einladung von Riky Heimpel

Die Klingertragödie

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Schloß Raabs an der Thaya dem reichen Textilindustriellen Hugo Klinger von Klingerstorff, der mit seiner Frau Sybille, einer geborenen Gräfin von Spiegelfeldt, hier wohnte.

Baron Klinger lernte die junge Comtesse im Lazarett in Troppau kennen. Er war Leutnant, sie arbeitete als freiwillige Pflegerin. 1916 wurde geheiratet. Sie hatten 3 Kinder, Maria Magdalena, Hubert  und Albertine.

Im Frühjahr 1925 erkrankte die Baronin. Der Arzt stellte einen Lungenschaden fest. Man riet ihr einen längeren Aufenthalt in einer wärmeren Gegend. Baron Klinger brachte seine Frau nach Meran. Dort lernte sie den jungen, hübschen Fürst Cyrill Orlov kennen (russischer Emigrant und Klavierspieler).

Baron Hugo Klinger, ÖNB ANNO, Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5
Baron Hugo
Klinger von Klingerstorff
ÖNB, ANNO, Das Interessante Blatt, 10. Juni 1926, Seite 5

Trotz des zehnjährigen Altersunterschiedes verliebten sie sich ineinander und waren bald unzertrennlich. In Raabs an der Thaya gestand Sybille ihrem Mann die Liebe zu dem Russen. Baron Klinger war tief betroffen. Nach einer Aussprache mit ihrem Vater in Wien versprach die Baronin ihrem Mann bei ihm zu bleiben.

Sie bekam verzweifelte Briefe von Orlov, er drohte mit Selbstmord. Sie trafen einander in Wien. Er kam heimlich nach Raabs, sie versteckte ihn in der Zinnkammer. Sybille gab ihrem Geliebten den Rat, den Baron zu treffen, ihn zu bitten, sie freizugeben.

Zu diesem Treffen kam es. Am Morgen des 2. Juni 1926 begegneten sie einander auf einer Waldlichtung beim so genannten Baronsitz. Schüsse wurden gewechselt. Ein Bauer fand den angeschossenen Baron der es verwundet bis auf einen Weg geschafft hatte und brachte ihn auf das Schloß Raabs an der Thaya. Der Taxifahrer, der den Russen aus Wien gebracht hatte und am Waldrand auf ihn wartete, fuhr mit dem Verwundeten zur Gendarmerie Raabs an der Thaya. Beide Herren wurden ins Krankenhaus Waidhofen an der Thaya eingeliefert.

Als die Baronin im Krankenhaus anrief erfuhr sie, dass es ihrem Mann besser ginge, aber ihr Geliebter schwer verletzt worden war.

Am nächsten Morgen kam die Gendarmerie ins Schloß. Sie forderte die Baronin auf, zum Untersuchungsrichter zu kommen. Sie versprach es, ging ins Nebenzimmer und erschoss sich.

Aus den verschiedenen Artikeln in den Zeitungen - siehe unter Quellen - kann man erahnen dass die Vollständigkeit und Wahrheit der Ereignisse wohl nie mehr ergründet werden kann.

Sterbeeintrag der Klinger Klingerstorff Margeritha, Sibylla, Norberta, Maria gest. am 3. Juni 1926, beerdigt am 5. Juni 1926 im Sterbebuch der Pfarre Raabs an der Thaya.

Abschrift des Sterbeeintrages.
Die Adelstitel waren damals ja abgeschafft, deshalb nur mehr Klinger Klingerstorff ohne Baronin oder Baron.
 

Fortlaufende Nummer Jahr, Monat und Tag Name
des
einsegnenden Priesters

 

Verstorbene Sterbeort
und
Haus-Nr.
des
Sterbens
der
Beerdigung
Vor- und Zuname, Charakter und Wohnort
bei Kindern der der Eltern, bei Frauen und Witwen der ihres Mannes und ihrer Eltern.
24 am Alois Schmid,
Pfarrer
Klinger Klingerstorff Margeritha, Sibylla, Norberta, Maria, Gattin des Herrn Hugo Klinger Klingerstorff, Schloßbesitzers in Oberndorf-Raabs, ehel. Tochter des Markus Spiegelfeld, Stadthalters a. D. und der Albertine ux. geb. Tschiderer.

Oberndorf- R.
Nro.1

3. 5.
Juni
1926
Religion Geschlecht Eigenschaft Alter Ort
der
 Beerdigung
Krankheit
und
Todesart
Anmerkung
Ob bei den vorgekommenen jähen
und gewaltsamen Sterbefällen die
gerichtliche Beschau vorgenommen
wurde. Ob und wann der Ge=
storbene mit den heiligen Sterbe=
sakramenten versehen worden ist.
Katholisch Protestantisch Männlich Weiblich ledig verehelicht verwittwet Jahr Monat Tag Vermöge
Ausweises
der
Totenbeschau
/ - - / - / - 37 6 28 Friedhof der Pfarre Raabs. Suicidum
Sclopedar,
Tdbf. 4. Juni 1926
Absolution u. letzte Ölung. 3.Juni 1926.

Sybille Klinger wurde zunächst am Friedhof in Raabs/Oberndorf beigesetzt. Als ihr der Baron verziehen hatte baute er seiner Frau ein Mausoleum nahe dem "Uhufelsen" hoch über der Thaya. Dort ruht er heute selbst neben seiner Frau und beider Kinder.
 

Familie Klinger von Klingerstorff
Hugo, geb. 10.12.1882, Neustadt, Nordböhmen, + 17.06.1941, Mörach
Sybille, geb. 6.11.1888, + 3.6.1926 (5.6. beigesetzt)
Maria Magdalena, geb. 27.6.1918, + 27.6.1964 in Tripolis
Hubert, geb. 18.1.1920, + 18.03.1998
Albertine, geb. 7.11.1921, + ?


Cyrill Constantin Orlov, ÖNB ANNO, Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5 Das Familienwapen der Orlows, ÖNB ANNO, Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 21. Juni 1926, Seite 16
Cyrill Constantin Orlov
ÖNB, ANNO, Das Interessante Blatt, 17. Juni 1926, Seite 5
Das Familienwappen der Orlows
ÖNB, ANNO, Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, vom 21. Juni 1926, Seite 16
Die Aufbahrung Orlovs in der Leichenhalle des Krankenhauses Waidhofen an der Thaya. ÖNB ANNO, Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4 Der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof. Das Ende des Dramas auf Schloss Raabs. Die Beerdigung Cyril von Orlows in Waidhofen an der Thaya. ÖNB ANNO, Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4
Die Aufbahrung Orlovs in der Leichenhalle
des Krankenhauses Waidhofen an der Thaya.
ÖNB, ANNO, Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4
Der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof.
Das Ende des Dramas auf Schloss Raabs.
Die Beerdigung Cyril von Orlows in Waidhofen an der Thaya.
ÖNB, ANNO, Das Interessante Blatt, 24. Juni 1926, Seite 4

Fürst Cyrill Constantin Orlov starb am 15. Juni gegen halb 2 Uhr nachmittags im Krankenhaus Waidhofen an der Thaya. Er wurde am Friedhof in einem Grab an der rechten Mauer zur Stadt beigesetzt das heute nicht mehr besteht. "Der Abschluss der Tragödie in Raabs".

Quellen: Bezirksblätter Waidhofen an der Thaya
vom 3.11.2016, "Fünf ungelöste Rätsel aus dem Bezirk Waiidhofen"
DieZeitschrift Reise Waldviertel "Drama auf Schloss Raabs"
vom 6. August 2016, von Marliese Mendel

Zeitgenössische Zeitungen in der Österreichische Nationalbibliothek:
Illustrierte Kronen Zeitung
vom 5. Juni 1926, Seite 5 "Mysteriöser Mordanschlag gegen einen Großgrundbesitzer".
vom 6. Juni 1926, Seite 5 "Der Selbstmord der Schloßfrau Sibylle Klinger".
vom 7. Juni 1926, Seite 4 "Die Tragödie auf Schloß Raabs".
vom 8. Juni 1926, Seite 1, Federzeichnung "Baron Hugo Klinger, Baronin Sibylle Klinger mit Schloß Raabs im Hintergrund", Seite 4 "Die Tragödie auf Schloß Raabs".
vom 9. Juni 1926, Seite 4 "Die Tragödie von Raabs".
vom 11. Juni 1926, Seite 3 "Das Mordkomplott gegen Hugo Klinger".
vom 12. Juni 1926, Seite 3 "Die Tragödie von Raabs".
vom 13. Juni 1926, Seite 1,Federzeichnung "Baronin Sybille Klinger, Der Überfall, Ablieferung des Attentäters, Die Flucht in den Tod" Seite 2, "Das Mordkomplott gegen den Schoßherrn von Raabs"  Seite 3 Bild "Der Schloßherr von Raabs Hugo Klinger".
vom 15. Juni 1926, Seite 4 "Die Verschwörung in der Zinnkammer".
vom 30. Juli 1926, Seite 4 "Das Verfahren gegen Hugo Klinger eingestellt".
Die Neue Zeitung
vom 5. Juni 1926, Seite 5 "Mysteriöse Liebestragödie in Raabs an der Thaya".
vom 6. Juni 1926, Seite 5 "Das Drama in Raabs".
 vom 8. Juni 1926, Seite 5 "Die Tragödie von Raabs".
vom 17. Juni 1926, Seite 5 "Der Abschluss der Tragödie in Raabs".
vom 12. Juni 1926, Seite 3 "Die Tragödie von Raabs".
Neue Freie Presse
vom 6. Juni 1926, Seite 13 "Das Liebesdrama von Raabs".
vom 7. Juni 1926, Seite 6 "Das Liebesdrama von Raabs".
vom 12. Juni 1926, Seite 9 "Das Ehedrama auf Schloss Raabs".
Das Interessante Blatt
vom 10. Juni 1926, Seite 5 Bilder "(Baron) Hugo Klinger", "(Baronin) Sybille Klinger", Text "Ein Drama auf Schloß Raabs ".
vom 17. Juni 1926, Seite 5 "Das Drama auf Schlo0 Raabs".
vom 24. Juni 1926, Seite 4 Bilder "Die Aufbahrung Orlows ..." und "Der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof ...  ".
Wiener Sonn- und Montags-Zeitung
vom 7. Juni 1926, Seite 1 und Seite 2 "Das Drama auf Schloß Raabs".
vom 21. Juni 1926, Seite 16 Bild: "Das Wappen der Familie Orlov" und "Fürst Cyrill Orlov ist gestorben ...".
Allgemeiner Tiroler Anzeiger
vom 7. Juni 1926, Seite 3 "Zerbrochenes Eheglück".
vom 17. Juni 1926, Seite 4 "Cyrill Orlow gestorben".
Linzer Tages Post
vom 10. Juni 1926, Seite 15, "Das Trauerspiel von Raabs".
vom 31. Juli , Seite 3 "Das Ehedrama auf Schloß Raabs - Einstellung des Verfahrens gegen Hugo Klinger".
Neuigkeits Welt Blatt
vom 10. Juni 1926, Seite 4, "Die Liebestragödie auf Schloß Raabs".
vom 17. Juni 1926, Seite 4, "Das Ende des Familiendramas in Raabs".
Prager Tagblatt
vom 5. Juli 1926, Seite 4 "Ehedrama in der Familie bei Hugo Klinger".
vom 30. Juli 1926, Seite 4 "Das Verfahren gegen Hugo Klinger eingestellt".
Wiener Bilder
vom 13. Juni 1926, Seite 12 Bilder "Frau Sibylle Klinger, .."., "Das Schloß Raabs an der Thaya ..." und "Baron Hugo Klinger, ...".
Der Morgen, Wiener Montagsblatt
vom 14. Juni 1926, Seite 4, "Orlow schwer erkrankt"
Badener Zeitung
vom 9. Juni 1926, Seite 6 "Das Ende einer mutmaßlichen Liebestragödie".
Salzburger Chronik
vom 17. Juni 1926, Seite 6 "Tod des Attentäters Orlow".
Salzburger Volksblatt
vom 30. Juli 1926, Seite 3 "Das Ehedrama auf Schloß Raabs. Einstellung des Verfahrens gegen Hugo Klinger".
Salzburger Chronik
vom 5. Juni 1926, Seite 8 "Ein Eifersuchtsdrama".
Volksblatt für Stadt und Land
vom 8. August, Seite 10 "Das Drama auf Schloß Raabs. Das Verfahren gegen Baron Klinger eingestellt".
Ybbser Zeitung
vom 21. August 1926, Seite 2 "Das Ende des Dramas auf Schloß Raabs".

 

Datum der letzten Bearbeitung / Aktualisierung: 23. September 2017